Diese Frage musste ich immer wieder hören. Warum sollte der Staatsschutz so etwas tun? Bist du so wichtig? Die Antwort ist eigentlich recht einfach, wenn auch deswegen nicht weniger schlimm. Training. Auch Staatsschützer müssen trainieren. Ob sie vom Verfassungsschutz kommen oder vom BND, oder irgendeinem anderen Verein ist dabei eigentlich zweitrangig. Sie müssen trainieren. Es muss ziemlich langweilig sein auf Dauer nur an unwissenden Personen zu trainieren. Die Staatsschützer könnten mit ihrer Ausbildung bei jedem ahnungslosen Bürger jederzeit ein und aus gehen, könnten in die Wohnungen und in die Arbeitsplätze eindringen, Computer einschalten, Rechnungen einsehen, oder sogar ganze Abläufe manipulieren. Aber das macht keinen Spaß, und die Herausforderung ist gleich Null.
Bei einem „Ziel“ in die Wohnung zu dringen, das darauf vorbereitet ist, ist das schon etwas schwieriger. Ein Mensch der weiß dass er verfolgt wird, der weiß dass jemand darauf abzielt in seine Wohnung zu gelangen, wird Vorkehrungen treffen, er wird versuchen die Wohnung sicherer zu machen. Hier liegt die Herausforderung. Jemand der vom Staatsschutz heimgesucht wird wie ich wird vielleicht einen Hund anschaffen, er wird sich ein besseres Schloss kaufen, wird vielleicht Kameras in seine vier Wände einbauen, wird im Notfall vielleicht seine Angehörigen anweisen aufzupassen.
Alle diese Dinge sind nur ein weiterer Anreiz für die Auszubildenden der Dienste. Hierin liegt die Kunst für den Einen, und die Qual für den Anderen. Dass es sich dabei um schwere Verstöße gegen sämtliche Grundrechte unserer Gesetzgebung handelt ist nur zweitrangig. Solange keine Spuren hinterlassen werden. Das heisst fast keine Spuren. Denn das Opfer, das Ziel soll natürlich merken dass jemand in der Wohnung war. Er soll zu Tode erschrecken, er soll paranoid werden. Wenn er sich durch neue Schutzmaßnahmen zu helfen versucht ist nur eine neue Hürde geschaffen, die die Auszubildenden zu nehmen haben.